Prof. Dr. Heidi Schelbert-Syfrig

Das Klettern habe ihr den Kopf freigehalten. «War ich im Berg, musste ich den nächsten Griff suchen und konnte mich nicht mit Ökonometrie befassen.» 

Heidi Schelbert kann auf zwei Karrieren zurückblicken, in jeder war sie eine Pionierin: Sie war die erste Ökonomieprofessorin der Universität Zürich und sie war eine erfolgreiche Bergsteigerin. Das Bergsteigen und ihre Arbeit als Professorin haben sich in gewissem Sinn ergänzt, erzählt Schelbert. Das Klettern habe ihr den Kopf freigehalten. «War ich im Berg, musste ich den nächsten Griff suchen und konnte mich nicht mit Ökonometrie befassen.»

Einsatz für die Gleichstellung von Frauen an der Universität

Doch warum hat sich die mathematisch Begabte für die Wirtschaftswissenschaften und nicht für die Mathematik oder Physik entschieden? «Ich hatte das Gefühl, dass ich gesellschaftlich und sozial mit den Wirtschaftswissenschaften mehr ausrichten kann», sagt Schelbert. Später im Studium sei sie jedoch so fasziniert von den mathematischen Modellen gewesen, dass sie die soziale Frage etwas in den Hintergrund geschoben hätte. 

Für Gerechtigkeit in ihrem Umfeld stand Schelbert jedoch immer ein. Sie wollte Frauen unterstützen und setzte sich als Professorin für die Frauenförderung an der Universität Zürich ein. Im Sommer 1989 gibt sie einen Bericht zur «Frauenförderung an der Universität Zürich» heraus, den sie zusammen mit Physik-Professorin Verena Meyer im Auftrag der Universitätsleitung erstellt hat. Darin wird der Anstieg der Studierendenzahlen ins Verhältnis gesetzt zu der «krassen Untervertretung der Frauen in den oberen Hierarchiestufen der Universität». Es folgen viele Vorschläge zur Aufhebung frauendiskriminierender Barrieren auf universitärer und voruniversitärer Stufe, wie zum Beispiel den Ausbau von Kinderbetreuungsstätten, oder der Forderung nach Neuformulierung des Anforderungsprofils an universitäre Lehrkörper, die individuellen Biographien mehr Platz einräumen soll. Zudem wird in diesem Bericht zum ersten Mal die Einrichtung einer Frauenstelle eingefordert, die all die Massnahmen vorbereiten und durchsetzen soll.

Schelbert stand lange an der Spitze der Gleichstellungskommission, die damals noch «Frauenförderungskommission» hiess.

Auszug aus dem Porträt von Marita Fuchs, Kommunikation UZH

Legende: links: Heidi Schelbert auf einer Veranstaltung zum Thema 40 Jahre Frauenstimmrecht.
Fotograf: Juri Weiss, 2011
Rechts: Heidi Schelbert, 2012