† Prof. Dr. phil. Verena Meyer

«Ich nahm das Leben, wie es kam»

Sie baute Teilchenbeschleuniger, prägte die nationale Forschungspolitik mit und stand als erste Frau an der Spitze einer Schweizer Universität: Die Kernphysikerin Verena Meyer. Was sie auch tat – sie war fast immer die einzige Frau weit und breit. Und behauptete sich mühelos.

Initialzündung im Physikkurs

Verena Meyer schwärmt noch heute von ihrem einstigen Mentor. Ihm sei zu verdanken, dass sie den damals für eine Frau sehr unkonventionellen Entschluss fasste, Physikerin zu werden. Verena Meyer stammte aus einer Akademikerfamilie. Dass sie studieren würde, stand ausser Frage. Naturwissenschaften interessierten sie am meisten, sie wählte jedoch Medizin, dies schien einer jungen Frau eher angemessen. Zum medizinischen Grundstudium gehörten auch Physikkurse. Für Verena Meyer wirkten diese Kurse als Initialzündung. Wegen Hans Staub. «Er war voller Energie und voller Leidenschaft für sein Fach», erinnert sie sich. Verena Meyer liess sich von diesem Elan anstecken. Nach dem bestandenen medizinischen Propädeutikum sattelte sie auf Physik um.

Vom Feminismus kaum touchiert

1976 wurde Verena Meyer Dekanin. Die Mathematisch-naturwissenschaftliche Fakultät war stolz darauf, erstmals eine Frau an ihrer Spitze zu haben. Gleichzeitig setzte damals auch die Rechts- und staatswissenschaftliche Fakultät mit Heidi Schelbert erstmals eine Dekanin ein. «Es entstand eine Art Wettbewerb bei der Besetzung wichtiger Universitätsämter durch Frauen», erinnert sich Verena Meyer. «Eine Frau an der Spitze zu haben, brachte bereits in den Siebzigerjahren durchaus Prestige ein.»

Auszug aus dem Porträt von David Werner, Kommunikation UZH